Catholicism Wow Eine größere Sünde als häretisch zu sein, ist es, langweilig zu sein.

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27. November 2014  Dogmatische Grundregel

Im theologischen Diskurs sind zwei Grundregeln essentiell: Sätze, die mit „Jesus würde heute“ oder „Selbst Kardinal Ratzinger schreibt“ beginnen, sind immer falsch. Das würde Jesus heute auch so sehen und das schreibt auch Kardinal Ratzinger.

Von Zeit zu Zeit ist es gut, an wichtige Grundwahrheiten zu erinnern.

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23. November 2014  Der Stuhlkreis als totalitäres Herrschaftsinstrument in der Pädagogik

Der Stuhlkreis als totalitäres Herrschaftsinstrument in der Pädagogik. Pädagogische Reihe der Zeitschrift für Theologie und Popkultur

Problemaufriss

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Stuhlkreis als pädagogische Methode scheinbar unaufhaltsam vom Kindergarten über die Schule bis in die Hochschule und die berufliche Aus- und Weiterbildung von Erwachsenen ausgebreitet und festgesetzt. Dies verwundert umso mehr, als die praktischen Defizite dieser Methode für jeden unvoreingenommenen Beobachter offenkundig sind und die Methode in der Praxis regelmäßig auf den mehr oder minder offen bekundeten Unmut der betroffenen Teilnehmer stößt. Trotzdem wird am Stuhlkreis als Mittel der Wahl mit geradezu autoritärer Ignoranz festgehalten.

Offenkundigkeit der praktischen Defizite

Während sich in der Morgenrunde im Kindergarten, dem verbreiteten Säkularisat eines gemeinsamen Morgengebetes, noch wenig praktische Probleme ergeben, sind sie schon im schulischen Setting unübersehbar. Das in der Mitte des Kreises platzierte kunstvoll aus verschiedenfarbigen Karten und Pfeilen erstellte Diagramm steht für die Hälfte der Schüler auf dem Kopf; die Schreibutensilien müssen vorübergehend unter dem Stuhl gelagert werden, von wo die mitgebrachten Stifte unvermeidlich fort- und zu weitentfernten Orten hinrollen. Das der Methode immanente Fehlen eines Tisches macht das eingeforderte Anfertigen von Notizen zu einer pädagogisch wenig förderlichen praktischen Herausforderung. All dies lässt sich auch in der Erwachsenenbildung regelmäßig beobachten, insbesondere im sozial- und religionspädagogischen Umfeld.

Beliebtheit der Methode ist nicht pädagogisch begründet

Dass der Vorschlag, die Kinder doch sinnvollerweise am Tisch statt im Stuhlkreis malen oder basteln zu lassen, von Stuhlkreispädagogen als geradezu ungehörig zurückgewiesen wird, wurzelt also nicht in praktischen Überlegungen. Sie wird auch nicht mit Rücksicht auf die Wünsche der beteiligten Kinder oder Erwachsenen gewählt, wie das selbstverständliche autoritäre Übergehen oder Abstrafen des sich regelmäßig zumindest kurzzeitig artikulierenden Widerstandes zeigt. Die Beliebtheit der Methode bei den meist akademisch nur mittelmäßig ausgebildeten Lehrenden hat in Wirklichkeit ganz andere Ursachen.

Instrument totalitärer Herrschaft

Tatsächlich ist der Stuhlkreis bei diesen Pädagogen deswegen so beliebt, weil er ein gut funktionierendes Instrument totalitärer Überwachung und Disziplinierung darstellt. Die Kreisform ermöglicht dem Leiter einen totalen Überblick über alle Teilnehmer und deren Verhalten. Somit ist eine direkte Kontrolle und Disziplinierung möglich, die aufgrund der gewählten Form gleichzeitig öffentlich vor der gesamten Gruppe stattfindet und zur inneren Disziplinierung der unbeteiligten Zuschauer beiträgt. Perfiderweise ermöglicht der Stuhlkreis nicht nur eine totale Überwachung und Disziplinierung, er ist auch so angelegt, dass den Teilnehmern emotional ihr Ausgeliefertsein bewusstgemacht wird. Während ein Tisch psychologisch einen gewissen persönlichen Schutzraum konstituiert, wird dieser im erzwungenen Stuhlkreis absichtlich entfernt: der Teilnehmer soll sich als schutzlos ausgeliefert wahrnehmen, um sein Selbstbewusstsein und seinen natürlichen Behauptungswillen auszuschalten. Die Wirkmächtigkeit dieser Praktik zeigt sich sehr eindrücklich daran, dass selbst erwachsene Teilnehmer unwillkürlich versuchen, den ihnen geraubten Schutzraum wiederherzustellen, indem sie etwa die Arme verschränken, um sich - soweit das in dieser Zwangssituation möglich ist - etwas Souveränität zu erhalten. Die Parallelen zur faucoultschen totalitären Gefängnisarchitektur aus „Überwachen und Strafen“ sind unübersehbar.

Werkzeug schwacher Persönlichkeiten

Der Stuhlkreis ist also mitnichten eine emanzipatorische oder kinderfreundliche pädagogische Methode. Sie ist ganz im Gegenteil ein unmenschliches totalitäres Herrschaftsinstrument, dass die individuelle Persönlichkeit der Kinder kleinhalten und ihren eigenen Willen niederdrücken soll. Weil er tatsächlich ein gut funktionierendes Unterdrückungswerkzeug ist, hat sich der Stuhlkreis als Methode bei Pädagogen mit schwachen Persönlichkeiten verbreitet, die zumindest unbewusst spüren, dass sie fachlich und intellektuell den Anforderungen ihrer Aufgabe nicht gewachsenen sind.

Fazit

Wem als Pädagoge, Lehrer oder Katechet also daran gelegen ist, dass sich die ihm anvertrauten Kinder zu eigenständigen und selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln, wird auf solche problematischen Methoden gerne verzichten. Die sich eigentlich intuitiv und selbstverständlich anbietende Nutzung eines Tisches hat nicht nur offensichtliche praktische Vorteile bei selbständig durchgeführten Tätigkeiten wie Schreiben, Basteln und Malen, sie dient auch im höchsten Maße dem Wohle der kindlichen Seele.



Download
Zeitschrift für Theologie und Popkultur (Pädagogische Reihe)

pdf  Der Stuhlkreis als totalitäres Herrschaftsinstrument in der Pädagogik (PDF)



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21. November 2014  Fremdscham-Splatter „Gemeindereferenten gelten ja gemeinhin als spießig, peinlich, schlechte Tänzer und nur oberflächlich gläubig. Lasst uns mal einen Film machen, der diese Vorurteile bestätigt und auch noch zeigt, daß sie keine Ahnung von Medien und ein Problem mit der Fremd- und Selbstwahrnehmung haben.“ Das ungefähr muß der Plan gewesen sein, den man im Erzbistum Paderborn gefaßt hatte, als man dort den schon jetzt legendären Fremdscham-Splatterfilm „Du willst Gemeindereferentin werden...?!“ in Auftrag gab.



Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie auch die Homepage des Erzbistums Paderborn vermerkt. Der verantwortliche Filmemacher Michael Jung faßt es so zusammen: „Der Film wirkt im Ergebnis wie aus dem echten Leben.“

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